Jagd- und Lustschloss in weitläufigem Landschaftspark

Schloss Favorite Ludwigsburg

Fragile Zeugnisse vergangener Einrichtungskunst

Die Papiertapeten

Ganz besonders exklusiv waren im 18. Jahrhundert Papiertapeten. Während sich heutzutage jeder die günstigen Papierrollen leisten kann, mussten die empfindlichen Papierbahnen für Schloss Favorite aus Frankreich importiert werden. Auch die Montage war deutlich aufwendiger als heute.

Audienzzimmer im Neuen Hauptbau von Schloss Ludwigsburg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Steffen Hauswirth

Stoff an den Wänden des Audienzzimmers.

Papier statt Stoff

Üblicherweise wurden die Wände in Schlossräumen mit Stoffen – zum Beispiel aus Seide –verkleidet, die auf Holzrahmen gezogen waren. Die Stoffe kamen häufig aus Paris oder Lyon. Um 1700 wurden in England Tapetenrollen erfunden. Nach und nach setzte sich die neue Mode auf dem Festland durch und die ersten Manufakturen entstanden. Besonders erfolgreich war die französische Tapetenmanufaktur von Jean Baptiste Réveillon, der auch für die Heißluftballons der Gebrüder Montgolfier Papierbahnen produzierte.

Westliches Zimmer von Schloss Favorite Ludwigsburg mit Blick in den Saal; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Steffen Hauswirth

Kostspielige Dekoration der Räume.

Handarbeit – von Anfang bis Ende

Im Handdruckverfahren wurden die Papierbahnen bedruckt. Es entstanden sogenannte Garnituren, also Bordüren, Rahmen und Gesimse, die aufeinander abgestimmt waren. Vor Ort wurden die Rollen passend zur jeweiligen Wandform zugeschnitten und auf Leinwand mit Holzlattengerüst geklebt. Ein Kunstmaler ergänzte zum Abschluss entsprechend des Lichteinfalls von Hand den „Schatten“, um eine noch plastischere Wirkung zu erzielen.

Detail der Papiertapeten im westlichen Zimmer von Schloss Favorite Ludwigsburg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Die Mitte der Tapetenbahn ist duch ein Landschaftsbild verziert.

Landschaftsszenen und antike Vorbilder

Meist in der Mitte der symmetrischen Wandfelder wurden verschiedene Gemälde aus Papier aufgeklebt. Im Westlichen Zimmer sind Landschaftsszenen ausgewählt worden, die an Italien erinnern und die ruhige, idyllische Atmosphäre des Lustschlosses unterstreichen sollten. Ovale Bildfelder im Nordwestlichen Zimmer zeigen Szenen aus der Antike, wie sie damals aus Pompeji bekannt waren.

Das nordwestliche Zimmer in Schloss Favorite Ludwigsburg; Foto: Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg, Arnim Weischer

Reproduktionen ergänzen die Originale.

Sehr empfindlich und schwer zu konservieren

Der Zahn der Zeit nagte besonders an dieser empfindlichen und fragilen Wandgestaltung. Deshalb musste ein Teil der Tapeten abgenommen und konserviert werden. Vor allem die Bordüren wurden im Zuge der Restaurierungsmaßnahmen neu gedruckt. Die gelben Wandfelder und Gemälde sind noch original.

TIPP

Auch in Schloss Schwetzingen sind Schlossräume mit Papiertapeten gestaltet. Ein Besuch im Schloss lässt sich wunderbar mit einem ausgedehnten Spaziergang durch den traumhaften Park verbinden.

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